Abkehr von Google: Sämtliche Philips-TVs ab 2026 mit Titan OS
Philips hat sein neues TV-Line-Up vorgestellt. Größte Überraschung: Alle Fernseher der Marke werden künftig mit dem TV-Betriebssystem Titan OS ausgestattet.
(Bild: Ulrike Kuhlmann / heise medien)
Als TP Vision jüngst in Berlin seinen neuen Fernseher der Marke Philips vorgestellt hat, fiel eines besonders auf: Sämtliche Ambilight-Fernseher von Philips bekommen als Betriebssystem Titan OS verpasst. Auch die neuen OLED-Topmodelle erhalten das in Katalonien entwickelte System. Sie liefen bisher mit den Google-Betriebssystemen Android TV und Google TV.
Die 2012 als TP Vision ausgegliederte Fernsehersparte von Philips spart sich durch den Abschied von Google TV Lizenzgebühren, erklärte der für Bildoptimierung zuständige Philips-Entwickler Danny Tack im Gespräch mit c’t. Außerdem kann TP Vision mit einem eigenen Betriebssystem zugleich Werbeeinnahmen einstreichen, etwa von Anzeigen auf dem Homescreen und von werbefinanzierten FAST-Sendern (Free Ad-Supported Streaming TV) sowie über die Daten aus der automatischen Inhalteerkennung (ACR, Automatic Content Recognition).
(Bild:Â Ulrike Kuhlmann / heise medien)
Beides ist auch für die großen TV-Hersteller wie Samsung und LG ein Grund, auf das eigene Betriebssystem zu setzen, in dem Fall Tizen (Samsung) und webOS (LG). Denn sämtliche Werbeeinnahmen auf dem Homescreen gehen an den Besitzer des Betriebssystems – und dieses Geschäft wollen die Hersteller nicht Google überlassen.
Europäisches Betriebssystem mit Einschränkungen
Punkten will Philips auch damit, dass es sich beim Betriebssystem Titan OS anders als bei Google TV um ein europäisches Produkt handele. Tatsächlich startete die Entwicklung in Barcelona, ist auch noch dort beheimatet, und Hauptinvestor der letzten Finanzierungsrunde im Dezember 2025 war Highland Europe. Doch auch die TP Vision-Eigner TPV hat viel Einfluss auf die katalanische Firma, da bisher nur Philips-Fernseher das Titan OS nutzen. Die Philips-Sparte TP Vision ist inzwischen hundertprozentige Tochter des in Hongkong beheimateten Monitor- und TV-Herstellers TPV Technology Limited.
AuĂźerdem legt das spanische Unternehmen Titan OS S.L. die Nutzungsbedingungen des TV-Portals fest und bestimmt damit den Partner fĂĽr die ACR-Inhalteerkennung in Titan-TVs. Und das ist mit Samba TV die Free Stream Media Corp. aus San Francisco, die die per ACR erhobenen Daten in den USA ausgewertet.
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Sportlicher Wechsel
Angesichts des Ausbauzustands von Titan OS fragt sich, ob der komplette Wechsel zumindest fĂĽr die Topmodelle etwas verfrĂĽht kommt. Bislang hatten diese mit Android oder Google TV ein ausgereiftes Betriebssystem mit umfangreichen Funktionen und allen erdenklichen Apps aus dem riesigen Google-Store an Bord.
Den ersten Titan-TVs fehlten zunächst wichtige Streaming-Apps, darunter MagentaTV und Disney+. Etliches (auch Disney+) hat der Anbieter inzwischen nachgereicht, doch die Geräte scheitern weiterhin an einigen in modernen Smart-TVs üblichen Funktionen. So etwa Apple Airplay 2 zum drahtlosen Streamen von Audio- und Videoinhalten vom iPhone oder iPad auf den großen TV-Schirm. Der Leiter des technischen Produktmanagements, George Karathanasis, versicherte, dass sich diese Anwendung derzeit in der abschließenden Kontrollphase befindet. Hier darf man demnach mit einer baldigen Integration rechnen. Die drahtlose Übertragung von Streams oder Fotos von Android-Smartphones an den großen Bildschirm ist dagegen weiterhin nur über eine eigene Casting-App namens AirServer möglich. Auch TV-Sendungen kann man am Titan-TV bisher nicht aufnehmen (TV-Vergleichstest mit Titan-OS-TV von Philips aus 2025).
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Eine sprachgesteuerte Inhalte-Suche per KI, die man inzwischen in den TVs aller großen Anbieter findet, fehlt ebenfalls. Titan-Fernseher lassen sich nur mit vorgegebenen Stichwörtern steuern, was umständlich ist und beim Zuschauer eine gewisse Merkfähigkeit voraussetzt. Weil man zur Spracheingabe stets die Mikrofontaste auf der Fernbedienung drücken muss, erübrigt sich immerhin ein im TV-Chassis eingebautes Fernfeld-Mikrofon.
Die Bühnen des Homescreen sind vorbelegt mit Videoempfehlungen aus den Apps von Streaming-Anbietern wie Netflix und Prime Video. Man kann die Apps in der Hauptleiste des Startbildschirms zwar aufräumen, doch auch darin entfernte Apps erscheinen in den Empfehlungsbühnen weiterhin auf dem Homescreen.
Das in Spanien entwickelte Titan-Betriebssystem ist zugleich Voraussetzung für die neue AmbiScape-Funktion in den Philips Fernsehern. Die Lichterweiterung zusätzlich zu den Ambilight-LEDs im Rahmen der TVs synchronisiert Thread-kompatible Leuchtmittel über den Smart-Home-Standard Matter mit dem Bildinhalt. Damit ist AmbiScape im Grunde ein Hue-Ersatz für die Ambilight-Fernseher, da diese nicht mehr mit den Lampen und der Hue-Bridge des ausgegliederten Lichtkonzerns Signify kommunizierten.
Lieber ein Google-TV?
Wer ein OLED-TV mit Ambilight-Funktion und Google OS bevorzugt und auf die Lichtsynchronisation per AmbiScape verzichten kann, könnte den Kauf eines Philips-OLED aus dem Vorjahr in Erwägung ziehen. Die Vorjahresmodelle sind oft um einiges preiswerter, wie eine kleine Prüfung gezeigt hat. Bei Philips fällt der Preisverfall nicht ganz so krass aus wie etwas bei Samsung oder Sony, aber merklich ist er auch hier (von knapp 3700 Euro auf 2300 Euro).
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Man muss dann auf einige der neuen Funktionen verzichten, etwa das verbesserte Tone Mapping und die etwas höhere Leuchtdichte, Dolby Vision 2 und vier HDMI-Eingänge in Version 2.1 statt nur zwei HDMI 2.1 und zwei HDMI 2.0. Die Update-Zyklen für Software und Firmware sind auf 8 Jahre und der Produktsupport nebst Ersatzteillieferung auf 7 Jahre ab Ende der Platzierung auf dem Mark festgelegt. Deshalb muss man sich nicht sorgen, dass das Vorjahresmodell mit Google TV demnächst nicht mehr unterstützt wird. Auf diese Regelung hat die EU vor einiger Zeit alle TV-Hersteller im Sinne der Nachhaltigkeit eingeschworen.
Bildqualität bleibt unbeeinflusst
An der Bildqualität ändert sich durch den Wechsel des Betriebssystems nichts, versicherte uns Danny Tack. Die erhielt mit zwei neuen OLED-Serien und einem neuen LCD-Fernseher mit RGB-Mini-LEDs im Backlight ein bemerkenswertes Update. Wie andere große TV-Hersteller setzt auch TP Vision künftig in einem Modell auf die farbigen LEDs im Backlight. Diese sorgen im Displays für sattere Farben und höhere Leuchtdichten. Die Steuerung der kleinen Dioden hat TP Vision für seinen P5-Prozessor der 10. Generation entwickelt, sie soll feine Farbverläufe ermöglichen und Halos um bewegte Objekte minimieren. Das Pentonic 800-SoC von Mediatek ermöglicht vier HDMI 2.1 mit bis zu 48 Gbps Bandbreite, was vor allem für gamer interessant ist, die profitieren bei Halbierung der vertikalen Auflösung von einer VRR-Bildwiederholrate bis 330 Hz.
(Bild:Â Ulrike Kuhlmann / heise medien)
An die Bildqualität der besseren OLED-Fernseher kommen die RGB-LED-Fernseher trotz 3840 RGB-Dimming-Zonen nach Einschätzung von Tack jedoch nicht heran. Deshalb platziert TP Vision die LCD-TVs – laut Tack auch preislich – zwischen die LCD-Modelle aus der 700er-Serie und die OLED-TVs der 800er-Reihe.
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(uk)